Format Mini-MOOC?

„Open“ ist das Schlagwort in der dritten Woche des MOOC Maker-Course 2013. Eigentlich bin ich Reflektorin, aber ich nehme heute die Teilnehmer-Rolle ein – und hab‘ da eine Idee.

Ich wollte mich nur up-to-date bringen, was so seit Mittwoch im MOOC Maker-Course läuft. Und stieß ganz schnell über die Google+ Community für „howtomooc“ auf ein zehnminütiges Video von Jöran Muuß-Meerholz. Die Grafiken, die er da zeigt, sind natürlich lustig. Gerade Linien bilden nichts Konkretes ab, was man analysieren könnte. Aber das war ja auch so beabsichtigt, denn Jöran wollte auf einen wesentlichen Punkt hinweisen.

Raus aus dem Elitären

Offliner, Lurker, Medien-Inkompetente. Über die wird ja immer wieder diskutiert. Alle, die an einem MOOC teilnehmen, sollten eine minimale Medienkompetenz aufweisen. Wenn man nicht eine minimale Medienkompetenz hat, kann man einen MOOC auch gar nicht erst finden. Und sollte dann auch gar nicht erst an so einem teilnehmen? (Wir reden nicht von xMOOC’s, sondern von cMOOC’s).

Die Bildungselite im Web 2.0 schwelt vor sich hin, kocht ihr Süppchen, diskutiert fernab von Realitäten. Das klang in meinen bisherigen Reflektorinnen-Posts hier und hier deutlich an. Natürlich ist das verständlich und „verzeihbar“, denn wir bewegen uns ja mit dem MOOC Maker-Course auf einer Ebene, der thematisiert, WIE man einen MOOC durchführen könnte unter verschiedensten Bedingungen, in einem geschlossenen Interessentenkreis von Leuten, die versiert und mutig genug sind, sich selbst die Durchführung eines MOOC zu zu trauen.

Im Hintergrund: die Zielgruppen

Von der Zielgruppe hängt auf jeden Fall ab, welche didaktischen Mittel man zum Design eines MOOC wählt. Gehen wir mal ketzerisch von der Idee aus, daß MOOC’s nicht nur web-affine Menschen ansprechen können, sollen und wollen. Dann entsteht automatisch die Frage: gibt es einen Weg, auch Offliner in dieses interessante Format zu bringen?

Offliner gibt es zu Millionen, ihre Bedenken bekomme ich täglich zu hören. Sie haben Sorgen bezüglich a) ihrer eigenen Preisgebung im Web b) des Missbrauches ihrer Preisgebungen. Sie sind nichtsdestotrotz lernwillig. Sie tauschen sich aus, gerne sogar. Wenn auch lieber in kleinerem, anonymeren Kontext.

Und machen wir uns nichts vor: sogar im Rahmen eines MOOC’s, der über Web-Affinität belegt und besucht werden kann, gibt es entsprechende Vorbehalte bei TeilnehmerInnen. Die Erfahrungen laufen sogar dahin gehend, daß man bei freiwilliger Teilnahme an einem „Open-Angebot“ dennoch das Bedürfnis nicht abschütteln kann, sich als „Ausklang“ eines Fernlern-Angebotes noch einmal an die Hand genommen zu fühlen.

Es „menschelt“ mal wieder

In jedem der E-learning-Angebote, das ich bisher konzipiert und durchgeführt habe, trat eines deutlich zu Tage: die Kurse, in denen Menschen sich zunächst „real“ kennen lernen können über eine Präsenzveranstaltung, weisen einen höheren Aktivitätsindex auf, eine bessere Zusammenarbeit während der folgenden Online-Phase und einen höheren Zufriedenheitsgrad hinsichtlich der Beurteilung der Zufriedenheit im gesamten Rahmen des Kurses. Dies völlig abgetrennt von dem Angebot an fachlichen Inhalten und Betreuung während des Kurslaufes.

Der Schnitt zu den Bedürfnissen

Was haben all diese Überlegungen mit meiner Idee eines Mini-MOOCs zu tun?

Ganz einfach: Es ist offensichtlich so, daß es Barrieren zum Lernen im offenen Online-Kontext gibt. Diese kann man identifizieren. Es ist nicht so, daß man Menschen, die eigentlich Offliner sind, nicht zu Distance- oder E-Learning „überreden“ könnte. Wenn das Thema interessant genug ist, meldet man sich auch im Rahmen eines neuen Formates an. Dies zeigen die Anmeldezahlen für die Mobile-Angebote der ADWH und mobile-zeitgeist ganz deutlich, wir mussten das Anmeldungsportal bereits Wochen vor Beginn der Kurse schließen, weil die Zahl der Anmeldungen in kürzester Zeit explodierte.

Dennoch wird immer wieder gefragt, WIE man denn nun agieren müsse, welche technischen Voraussetzungen man benötige, wieviel Zeitaufwand einzukalkulieren sei. Im Laufe von Open Learning Angeboten tauchen dann auch die Fragen auf, welche Plattformen man zusätzlich benutzen müsse und wie diese zu benutzen seien.

Zugleich scheint es bei Fernstudienkursen das Befürfnis zu geben, im Interesse eines rundes Abschlusses an die Hand genommen zu werden (Zitat Anna Maria Zehentbauer auf G+): „Ein Problem ist, dass die Störche die Babies zu früh fallen lassen. Vor allem gegen Ende des Fernkurses, wenn es zum Beispiel zu einem Cambridge Abschluss in Englisch geht oder jemand in einem Literaturkurs Probleme hat. Abholen müsste man die Babies aus der anonymen Waisenhausklappe und mit MiniMOOCs aufziehen.“

Mini-MOOC’s

Mein Vorschlag auf Jörans Video war folgender: „Vielleicht Mini-MOOC’s mit geschützten Räumen, die thematisch kleinteilig runter gebrochen sind. (Und das nicht unbedingt offensichtlich auf Kompetenzerwerb im Web, sondern über die Hintertür „wir machen da auch was im Web“) Offline-Arbeit in Verbindung mit Organisationen und Projekten, die Offliner an das Web heran führen können.“

Mini-MOOCs – oder sollte man sie lieber Mini-OOCs nennen – wie auch immer man sich diese denken kann, hätten also auf jeden Fall zwei Zielsetzungen:

  1. Neue Leute, Offliner – da abholen, wo sie eben sind. Durchaus im Rahmen von Projekten, die erstmal überhaupt nicht online-bezogen sind
  2. Teilnehmer an offenen Bildungsangeboten noch einmal abschließend (oder einführend) an die Hand zu nehmen und auf kleinteiliger Ebene zu unterstützen, sich mit dem World Wide Web und dessen Bildungsoptionen (intensiver) auseinander zu setzen.

Open also hier nicht auf Verwertungs- oder Finanzierungsebene gedacht, obwohl das auch notwendige Aspekte sind. Sondern schlicht und einfach im Rahmen der Umsetzungsmöglichkeiten. Mit dem Ziel, die „Bildungsschlange“ vielleicht zum Auswürgen ihrer intellektuellen Ansprüche und näher an Umsetzbarkeit von Ideen zu bringen…