Diese Möhre ess‘ ich nicht!

„Lerneinheit“ 1 des zweiten deutschen Open Online Courses ist offiziell beendet. Für meine Blogleser hier ein kurzer Überblick über das bisherige Geschehen.

Thema: Workplace Learning. Schon wieder so ein englischer Begriff in der modernen Arbeitswelt. Heisst eigentlich nur: Lernen am Arbeitsplatz. Wie immer der auch definiert sein mag.

Der Open Course #ocwl11 wird durchgeführt von der Universität Tübingen – um exakt zu sein, von Dr. Johannes Moskaliuk, der die Gelegenheit nutzt, das Format MOOC (Massive Open Online Course) im Rahmen eines Präsenzseminares des Studienganges Psychologie auf eine neue Bewährungsprobe zu stellen.

Erwartungen und Wünsche…

wurden zum Start auf einem Etherpad geäußert. Unerwarteterweise (zumindest aus meiner Sicht) entbrannte unmittelbar eine heftige Diskussion um „laute und stille“ Teilnehmer. Der Ausgangspunkt der Diskussion war im Grunde eine Überlegung im Anschluss an den #opco11 darüber, wie man Menschen in einen Open Course einbinden könne, die erstmal nur still mitlesen. Social Media Menschen nennen diese Mitleser „Lurker“ – ein etwas abwertender Begriff, dem ich sehr kritisch gegenüber stehe.

„Abwarten, lauern, schleichen“ ist die Übersetzung aus dem Englischen. Hier sind im Social Media Jargon einfach die Menschen gemeint, die nur still dabei sind, mitlesen, sich aber (zunächst) nicht äußern.

In Folge heftiger Diskussionen auf Twitter und einzelnen Blogs, die ich teilweise verbal und inhaltlich als sehr extrem und unmäßig empfand, entstand immerhin eine Forumsseite auf dem Kursblog, auf der man sich nun anonym registrieren kann.

Erste Online-Session…

mit Jochen Robes als Gast am Montag dieser Woche, der über den Verlauf und die Erkenntnisse des #opco11 berichtet hat, war sehr spannend. Zwei Themen standen im Mittelpunkt: „Lurking“ als Einstieg in die Öffentlichkeit um Hemmschwellen abzubauen und die Wortneuschöpfung „COOC“ (Company Open Online Course) – also die Frage, wie man das Lernformat MOOC in Unternehmen bekannter und beliebter machen kann.

Beiträge und interessante Gedanken…

finden sich auf dem Kursblog zum #ocwl11. Nennenswert zum Einen das Engagement von Boris Jäger @KMeducation, der das Forum auf dem Kursblog eingerichtet hat, über das man sich nun anonymisiert am Online Course mit Artikeln und Meinungen beteiligen kann. Ausserdem bringt er über eine paper.li-Zeitung täglich die News des Courses in die Öffentlichkeit.

Dörte Giebel hat als Patin der ersten Einheit ihre Zusammenfassung des zur Lerneinheit dazugehörigen kollaborativen Etherpads der Studierenden zu dem Grundlagentext von „Scardamalia, M. & Bereiter – Knowledge Building: Theory, pedagogy, and technology“ online gestellt. Ihre Zusammenfassung berührt die wesentlichen Textüberlegungen zu Communities, kollaborativem Lernen, Auflösung von hierarchischen Strukturen und Wissengewinn. Zudem bleibt sie bei ihrer sehr strengen Haltung gegenüber „Lurkern“.

Für mich nach wie vor unverständlich – in der Erwachsenenbildung mit Präsenzseminaren zeigt die Erfahrung, dass man auch „stille“ Menschen ansprechen, motivieren, gewinnen kann für eine Teilnahme am Geschehen (ohne die oftmals beschworene „Zwangs-Aktivierung“).

Das Web 2.0 ist ungleich schwieriger, hier habe ich nicht mal Signale aus Gestik und Mimik, auf die ich mich als Leiter einer Community verlassen kann. Die Community brauche ich aber – daher ein Tipp an alle angehenden Community-Manager: die „Lurker“, die Mitleser, die „stille Menge“ – auf die werdet Ihr noch mal angewiesen sein oder gelegentlich deren Zorn zu spüren bekommen. Sie haben etwas zu sagen, wenn auch nicht sofort.

Anregend auch der Beitrag von @twinfomanager mit seinen Bemerkungen zu extravertiertem Wissen. Ja, die Studierenden haben noch keine Blogbeiträge geschrieben und trauen sich noch nicht so recht aus ihrem geschützten Raum heraus. So ist es, da muss ein Lernprozess starten – von der Uni hinein in das (Social Media) Leben. Macht nix, wird schon.

Viel Spass uns allen weiterhin beim #ocwl11. Infos zur Lerneinheit 2 hier.

Diese Möhre ess' ich nicht

Diese Möhre ess' ich nicht

P.S. Die Überschrift dieses Artikels ist spontan entstanden – nachdem ich in der MHH Hannover das Foto mit dem Esel und den Möhren geschossen habe. Teil eines Kunstprojektes dort – hier steht es symbolisch für die halsstarrigen Positionen, die sich überraschenderweise gleich zu Beginn des #ocwl11 gezeigt haben. Iaaah!