Blogger Relations und Bildung

2013-12-05 14.27.49

Blogger Relations und Bildung. Passt das irgendwie zusammen? Mal sehen… man müsste erstmal darüber nachdenken, ob Bildung nicht auch mit Produkten zu tun hat.

 

 

Ich lese ja nicht alles gründlich, was so über meine Kanäle an Infos an mir vorbei fliegt. Dazu habe ich einfach zuwenig Zeit. Daher bin ich auf die Blogger-Relations-Sache erst beim Barcamp Hamburg aufmerksam geworden, als ich mich mit Daniel Rehn kurz über eine Session unterhalten habe, in der es um den Blogger-Kodex bei der Hamburger Agentur achtung! ging: dort setzt man sich für ein besseres Verständnis dafür ein, wie Unternehmen, Agenturen und BloggerInnen besser miteinander umgehen können.

Danach habe ich ein bisschen recherchiert und etliche interessante Web-Diskussionen zu dem Thema gefunden: zum Beispiel die Blogparade von Mike Schnoor, eine Einschätzung von Klaus Eck, Tipps von „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann. Stefan Evertz war das Thema einen öffentlichen Hangout wert, Romy Mlinzk spricht das Thema „Influencing“ an.

 

Was hat der Begriff „Blogger Relations“ hier zu suchen?

Erstmal eigentlich gar nichts. Denn wie ich in meinem Artikel zur Social Media Arbeitswelt von letzter Woche deutlich gemacht habe: es gibt bei allem, was im Web so statt findet, eigentlich nur drei relevante Bereiche: Technik, Marketing, Bildung. Blogger Relations gehört begrifflich und mit allem, was das in der Praxis bedeutet, in den Marketing-Bereich.

Das Thema Blogger Relations dreht sich zunächst ausschließlich um die Idee, für Unternehmen und Agenturen neue Kommunikationskanäle im Rahmen von Vermarktungs-Stratgien zu nutzen, die den Grundgedanken des Social Webs umsetzen wollen – nämlich den Dialog mit den Adressaten aufzunehmen, anstatt sie monologisch mit Produktwerbung zu beschallen.

In diesem Blog geht es um Bildung. Passt also gar nicht, oder?

 

Bildung ist auch ein Produkt

Der Fehler liegt im Denkansatz: allgemein wird davon ausgegangen, dass Bildung kein Produkt ist. Bildung ist vom klassischen Verständnis her wie folgt einzuteilen:

  • Schule
  • berufliche Ausbildung
  • universitäre Ausbildung
  • Weiterbildung im Beruf
  • Weiterbildung aus persönlichem Interesse
  • (Neu-) und Weiter-Qualifizierung im Rahmen staatlicher Programme (die ganzen Arbeitslosen Stufe 1 und 2 müssen ja irgendwie ((wieder)) in den Arbeitsmarkt integriert werden)

 

Produktmarkt im Bildungswesen

1. Schule: Es gibt ein etabliertes Verlagswesen rund um Schulbücher mit politischen Lobbys: Westerman, Schroedel, Cornelsen, Klett u.a. – da ist ein Produktmarkt. Ganz zu schweigen von den sekundären Produkten: Schreibwaren in Form von Heften, Stiften, Schulranzen etc. Und inzwischen teilweise auch die digitale Industrie: Ausstattung von Schulen mit interaktiven Whiteboards und mobilen Endgeräten wie iPads oder Android-Tablets.

2. Berufliche Bildung: Jeder Betrieb, der ausbildet, hat Kosten: Beiträge für Verbände, Berufsschulen, Sozialversicherung, Arbeitszeit von ausbildenden Beschäftigten. Die wird er über Investitionen abpuffern: Investitionen in Aus- und Weiterbildung auch durch externe Schulung, Investitionen in die eigene Produktstrategie. Je besser der Betrieb seine Produkte verkauft, desto höher ist sein Budget für die Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs.

3. Universitäre Ausbildung: Da werden haufenweise Master- und Doktorarbeiten geschrieben. Es gibt Forschungsergebnisse, die publiziert werden (müssen). Im Prinzip sollte die Veröffentlichung über die Finanzierung durch Steuergelder (Bund und Länder) garantiert sein. Kostenfrei. Ist sie aber nicht: es gibt einen Markt für wissenschaftliche Publikationen über spezialisierte Verlage, die allerdings inzwischen durch die Open Acces-Bewegung aufgeweicht wird. Namhafte Bibliotheken wie die ZBW Zentrale Bibliothek für Wirtschaftswissenschaften sind hier Gott sei Dank Vorreiter.

4. Weiterbildung im Beruf: Wie oft unterstützen Arbeitgeber die berufliche Weiterbildung ihrer Mitarbeiter in welcher Form? Mir fehlen hierzu Zahlen. Eins weiß ich aber: im Rahmen des ESF-Projektes ADWH zur Förderung der Digitalen Wirtschaft in Hamburg wurden kostenfreie hochwertige Angebote gerne wahr genommen.

Im Anschluss kostenpflichtig weiter angebotene Kurse derselben hochwertigen Qualität buhlen um Anmeldungen – was vorher kostenfrei gerne gebucht wurde ist nun zahlungspflichtig nur noch bedingt interessant: es wird gut und gründlich überlegt, ob man diese Kosten auf sich nimmt.

Die Qualifzierungen sind aber notwendig im Rahmen der Ausbildung von qualifizierten Fachkräften mit modernen Berufsprofilen – da ist ein Markt.

5. Weiterbildung aus persönlichem Interesse Freiwillig oder indirekt erzwungen? Lebenslanges Lernen wird immer wieder thematisiert, wer nicht up-to-date ist fliegt raus aus dem Arbeitsmarkt. Freelancer brauchen Referenzen und Nachweise – kann mir doch niemand erzählen, dass viele Menschen nicht schon aus Eigeninteresse bereit sind, in persönliche Weiterbildung zu investieren – allein, um sich im beruflich harten Markt zu halten.

Trotzdem wird die Stunde für den Heizungsmonteur, der die Gastherme am Laufen hält, höher bewertet als eine Stunde freie Weiterbildung in Social Media Kompetenzen oder beruflichem Coaching…

6. Staatliche Programme: Eine nicht unerhebliche Anzahl an Arbeitslosen der Stufe 2 – wir reden von den Menschen im Programm Hartz IV – werden „zwangsweise“ weiter gebildet: in stupiden Programmen für die „richtig gestaltete“ Bewerbung. Oder sie werden zu Pflegehelfern umgeschult – vor allem arbeitslose Frauen, Berufs-Rückkehrerinnen, Arbeitnehmer ab 50. Weil wir – die Gesellschaft – einigermaßen qualifizierte Kräfte für das Gesundheitswesen brauchen.

In diesen Bereich fließen Unsummen staatlicher Gelder – erkämpft in einem harten Dumping-Krieg von Bildungs-Anbietern über Ausschreibungen. Da ist ein Produktmarkt.

 

Wie passen da jetzt BloggerInnen rein?

Nun, das ist doch ganz einfach: zum Einen würde Bildungs-Politik transparenter werden, wenn bestimmte aktuelle Prozesse im Bildungsbereich von BloggerInnen deutlich und verständlich erklärt würden. Nicht, dass das nicht schon statt findet – aber die BloggerInnen, die sich in diesen Themen bewegen, stehen immer so oppositionell da. So aufrührerisch und aufklärerisch, sie bewegen sich in Nischen.

Warum? Weil es keine Interessensvertreter wie im Bereich Marketing gibt, die sich für eine transparente Kommunikation im Bereich Bildung interessieren und die Zusammenarbeit suchen über ihren individuellen Rahmen hinaus. Weder politische Vertreter noch solche aus den an Bildung anhängenden Produkt-Produktionen zeigen sich zurzeit rühmlich, was Aufklärung und Informationsfluss an die Allgemeinheit angeht. Schämt Euch, alle. Ihr habt die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

Zum Anderen wird wie oben angesprochen vollkommen ignoriert, dass Bildung eben doch ganz erheblich mit einem Produktmarkt verknüpft ist. Das Verständnis für die Strukturen ließe sich steigern, wenn man thematisch interessierte und kompetente Blogger endlich mal mit einbeziehen würde, wie im Marketing schon angedacht und teilweise auch im Ansatz umgesetzt.

 

Blog-Stöckchen

Ehrlich gesagt, würde ich aus dem Thema gerne ein Blog-Stöckchen machen.

1) Wie ist Eure Meinung zum Produktmarkt in der Bildung? Passen die 6 oben genannten Bereiche?

  • Schule
  • berufliche Ausbildung
  • universitäre Ausbildung
  • Weiterbildung im Beruf
  • Weiterbildung aus persönlichem Interesse
  • (Neu-) und Weiter-Qualifizierung im Rahmen staatlicher Programme (die ganzen Arbeitslosen Stufe 1 und 2 müssen ja irgendwie ((wieder)) in den Arbeitsmarkt integriert werden)

2.) Gibt es weitere Produktmärkte in der Bildung, die Ihr nennenswert findet? Wenn ja, welche und warum?

3.) Findet Ihr, dass BloggerInnen aus dem Bereich Bildung im Sinne der Blogger Relations nützlich sein können? Wenn ja/nein – für wen – warum / warum nicht?

4.) Warum gibt es den Gedanken der „Blogger Relations“ im Bildungsbereich nicht?

5.) Außerdem… weiterführende Gedanken

Das Blogstöckchen würde ich gerne an Cornelie Picht, Ellen Trude, Martin Lindner, Sandra Schön, Anja C. Wagner, Monika König, Anja Lorenz, Angelica Laurencon, Martin Ebner und Nicole Bauch weiter reichen. Fragen kopieren, was dazu schreiben, Link hier im Kommentar einstellen.

Natürlich kann aber auch jeder andere Mensch, der/die sich für das Thema interessiert, über einen eigenen Blogpost mit persönlichen Gedanken den Anschluss wagen. Bitte hinterlasst hier im Kommentar die URL zu Eurem Post.

 

„Wir glauben gern, dass etwas geschieht, während wir reden. Die Wahrheit ist, dass alles Wichtige geschieht, während wir schweigen.“ (Unbekannt)