Frage: was ist mobiles Lernen?

 

Cloud-Büro, Tablet-PC und Android-Telefone stehen für Mobiliät. Aber was ist „mobiles Lernen“? Braucht man das überhaupt? Oder ist es nicht einfach nur ein weiteres Tool?

 

Weg mit der Strippe!

Weg mit der Strippe!

Bisher habe ich mich einem Mobiltelefon mit Netzzugang energisch verweigert. Überall diese Leute mit den kleinen Dingern in der Hand, Daumen hin, Daumen her. Vor allem in der Straßenbahn ist das manchmal ein seltsamer Anblick. Die Leute gucken sich gar nicht mehr an, weil alle immer irgendwas tippen, scrollen oder in einer Kopfhörer-gespeisten Tonwelt unterwegs sind.

Mich stört schon, wenn eine meiner Freundinnen ihr iPhone rausholt, um zu irgendeinem Diskussionsthema, von dem wir nicht mehr wissen, wo wir was darüber gelesen haben schnell eine „Google-Recherche“ zu machen. Als ob das so wichtig wäre. Ich würde mich lieber auf unser Gespräch konzentrieren.

Allerdings… kürzlich durfte ich das neue iPad einer Freundin bewundern. Und da wurde mir doch etwas wackelig in den Knien vor Aufregung. DAS ist schon eine tolle Sache. Für längere Zugfahrten, oder für Seminare, in denen man keine PC’s mit Internetzugang zur Hand hat. Auf Reisen. Den Laptop habe ich nie gerne dabei, weil der zu schwer ist, immer das Zubehör mit muss und der Akku ohnehin nur eine Stunde hält. Da wäre so ein Tablet-PC eine echte Alternative… bequem, leicht, handlich, übersichtlich…

 

Frage: Was ist mobiles Lernen?

 

Mir ist meine PC-freie Zeit enorm wichtig. Der direkte Kontakt mit Menschen über Face-to-Face Seminare ist unersetzbar. Genauso wie ein Spaziergang im Park, der Duft von blühenden Pflanzen, das Bewegen des Körpers, Lächeln verteilen und einheimsen.

Und ich frage mich schon, was es mir bringen soll, mit mobilen Geräten „mobil“ zu lernen. Lerne ich von den Menschen, denen ich in der Realität begegne, nichts? Bin ich so auf den Input aus dem Web 2.0 angewiesen, dass sich ausserhalb der virtuellen Welt keine Lerneffekte ergeben? Ist der haptische Genuss einer raschelnden Zeitung oder Zeitschrift, der ich auch Informationen entnehme, manchmal nicht bereichernder als die Online-Ausgaben? Und die Ruhe, mit der ich Artikel ausführlich lese, anstatt sie nur schnell zu überfliegen damit ich die Kernaussage zügig finde?

Ist das moderne„Cloud-Büro“ mit seinen Tools (Artikel auf Chip-Online) tatsächlich nötig? Doch nur, wenn es der Beruf tatsächlich erfordert, viel zu reisen.

Das Web 2.0 bietet mir wichtige Dinge:

  • viele Informationen gut gebündelt
  • themenorientierte Gruppen mit inhaltsreichen Diskussionen
  • Aktualität und Tempo
  • die Möglichkeit der Konzentration auf das, was ich mir auswähle

Für mobiles Lernen mit Bezug auf das Web 2.0 sehe ich nur einen einzigen Vorteil. Wenn ich tatsächlich mal länger unterwegs bin als ein paar Stunden, kann ich:

  • an den in meinen sozialen Netzwerken laufenden Diskussionen dran bleiben
  • aktuellen Input zu speziellen Themen sammeln
  • aktuellen Output zu speziellen Themen geben
  • „Offline“-Arbeiten durchführen wie Texte lesen, bearbeiten, schreiben – habe sie allerdings gespeichert und brauche sie nachher nur in meine Datenbanken (re-)integrieren

Das unterstützt lediglich die Lernprozesse, in denen ich mich ohnehin befinde bzw. erleichtert das „Dranbleiben“. Ist mobiles Lernen daher nicht nur eine winzige Ergänzung des Lernens, das ich zuhause mithilfe des Home-PC praktiziere? Ist es nicht sogar höchstens so etwas wie ein weiteres „Tool“?

 

16 thoughts on “Frage: was ist mobiles Lernen?

  1. Gut überlegt, vieles empfinde ich auch so. Ich habe kein smart- oder iphone, deshalb kann ich an meinem LieblingsPCKurs nicht mehr teilnehmen und lernen, der voll auf apps abfährt und zudem noch eine fb Mitgliedschaft fordert, zu der ich nicht bereit bin. Ich bin hochprozentiger Onliner, aber trotzdem digital divided 🙂 Dein letzter Satz ist überlegenswert. Übrigens fiel mir gerade ein: mein iPad ist zu Hause sehr nützlich, mobile at home!Früher gab es Radiokästen fest auf oder in Schränken, irgendwann dazu Kofferradios und heute höre ich Radio im TV oder PC. ich werde mir angewöhnen bei mobil nicht immer an unterwegs zu denken…

  2. Liebe Andrea!

    Ja, in vielem haben Sie Recht. Auch das mobile Lernen ist nur ein Tool von vielen, das wir einsetzen können…
    Wir dürfen uns nicht nur auf eine Sache stützen, sondern sollten die uns zur Verfügung stehenden Mittel so nutzen, dass sie uns das Leben erleichtern.

    Auch ich bin sehr gerne offline mit Menschen unterwegs – sei es in Familie oder Freundeskreis und wenn ich dort gute Gespräche habe, vermisse ich das Netz nicht. Unterrichten tue ich auch am liebsten Offline, wenn auch ein Teil davon ein Online-Part geworden ist. In unserem Internetcafe Menschen zum Arbeiten mit dem Netz zu bringen, gehört aber vor allem dazu, denn:
    – Ältere Menschen haben nicht mehr so viele Kontakte, wie in jungen Jahren. Sie haben oft die liebsten Menschen in ihrem Leben schon verloren.
    – Bei uns im Seniorenzentrum finden sie beides – Lernmöglichkeiten und Kontakte mit Gleichgesinnten.
    Mit E-Mail und Skype können sie auch außerhalb unserer Öffnungszeiten kommunizieren, sofern sie das möchten.
    – Sie lernen Neues und gewinnen dadurch ein neues Selbstbewußtsein – sowie Anerkennung durch die jüngere Generation.

    Für mich selber bietet das Netz eine Fülle von Informationsmöglichkeiten, Kontakte über den Moodle-Lernraum für die Mitarbeiter von Senioren-Internetcafes im Forum Lernen NRW, in dem ich schon seit 2006 mitarbeite. Dort betreiben wir inzwischen auch einen kleinen Stammtischaustausch über Skype und Mikogo. Auch habe ich die Möglichkeit, die Kollegen über die Entwicklungen im Netz auf dem Laufenden zu halten.

    Vor Ort hätte ich nie all das lernen können, was ich in den letzten Jahren an Wissen erworben habe. Dadurch war es mir möglich Hobbys zu frönen, einen Blog für unser Internetcafé als Infoblog und mit kleinen Lerneinheiten zu betreiben und mich mit einem Blog unterstützend am Projekt „Internet erfahren“ zu beteiligen.

    Ein mobiles Gerät besitze ich selbst noch nicht, wir sind aber an einem Projekt unsere Uni beteiligt, bei dem Senioren die modernen Geräte testen sollen. Insofern habe ich derzeit ein Smartphone zur Verfügung. Natürlich erleichtert mir mein schon erworbenes Wissen den Umgang damit erheblich. Das sehe ich bei Anfängern nicht als so einfach an.

    Das Wichtigste am Lernen ist für mich jedoch, dass ich mir all das, was ich für die eigene Arbeit benötige, zusammensuchen und aufbereiten, Meinungen und Trends verfolgen und anderen Hinweise auf interessante Quellen geben kann. Wenn ich dann mal nicht da bin, quellen meine Info-Feeds so heftig, dass ich Mühe habe durchzukommen. In dem Fall muss ich dann auch schon mal einen Schnitt machen…
    Aber verzichten möchte ich nicht mehr auf diese Möglichkeiten. Dadurch habe ich Kontakt mit interessanten Menschen aus ganz Deutschland, die ich sonst nie kennengelernt hätte…

    Ich denke aber auch, man sollte das Wissen über die mobilen Medien durchaus mit einbeziehen, damit man den Anschluss nicht verliert und einfach die eigenen Einsatzmöglichkeiten entdecken… und das ganz spontan und nicht verbissen.
    Bis jetzt habe ich für alles, was ich neu gelernt habe – nicht sofort – doch mit der Zeit – Anwendungsmöglichkeiten entdeckt, die für mich hilfreich sind. Ein bisschen Experimentierfreude gehört natürlich mit dazu…;-)

    In diesem Sinne – herzliche Grüße
    von Anntheres

    1. Liebe Anntheres,
      Ihr Satz gefällt mir: „Wir sollten die uns zur Verfügung stehenden Mittel so nutzen, dass sie uns das Leben erleichtern“. Treffpunkte mit Netzzugang und anderen am Social Web Interessierten sind eine feine Sache, gerade für Senioren, deren „reale“ Netzwerke nicht mehr so groß sind.
      Schwierig wird es bei dem Punkt, an dem man Trends verfolgen will, aktuell bleiben will. Denn hier übt die Eigendynamik des Web 2.0 manchmal einen sehr starken Druck aus. Einen Druck, dem ich mich nicht ständig beugen möchte. Daher ist Experimentieren, gerade auch in Bezug auf mobiles Lernen, ein guter Ansatz! Was passt zu mir? Was möchte ich mitmachen, was nicht? Was ist sinnvoll für mich?

  3. Hi Andrea,

    Ich sitze hier mit meinem Tablet auf der Terasse, folge dem opco11 und habe gerade mit einer Teilnehmerin aus meinem Blended Learning Kurs (LMS Moodle) geskyped. Ich empfinde das einfach nur als bequem. Mobil zu Hause bin ich mit meinem Tablet, unterwegs (je nach Situation) mit Laptop, Netbook oder Tablet und dort, wo ich viel schreiben muss nutze ich einen meiner PC’s. Für unvorhergesehene Onlinesituationen muss auch schon mal das Smartphone herhalten und wenn ich demnächst einen Klinikaufenthalt habe, hat der Tablet wieder seine Sternstunde. Für mich sind diese Dinge Werkzeuge und implizieren nicht wirklich eine bestimmte Art des Lernens. Sie helfen mir, strukturieren aber weder meinen Tag noch mein Lernen. Sie machen mich flexibel und … mobil ;-).

    1. Die meisten kennen mich auf Twitter: @dieHauteCulture.
      Abgesehen von diesem kleinen Verschreiber listet @gibro in seinem Artikel einige Möglichkeiten und Apps auf, die „mobilem Lernen“ teilweise entsprechen: Twitter bei Konferenzen, GoogleMaps und andere Applikationen für Stadttouren und Sehenswürdigkeiten…

  4. „Bisher habe ich mich einem Mobiltelefon mit Netzzugang energisch verweigert. Überall diese Leute mit den kleinen Dingern in der Hand, Daumen hin, Daumen her. Vor allem in der Straßenbahn ist das manchmal ein seltsamer Anblick. Die Leute gucken sich gar nicht mehr an, weil alle immer irgendwas tippen, scrollen oder in einer Kopfhörer-gespeisten Tonwelt unterwegs sind.“

    –> Da spichst du aber auch was an;-) Wenn ich mit dem Zug von Detmold nach Bielefeld fahre (30 Min Fahrtzeit) dann hat man wirklich das Gefühl ein Jedermann hat ein iPhone! Und manchmal habe ich auch dann das Gefühl, dass ich alleine im Zug bin, obwohl er eigentlich überfüllt ist.

  5. Ja sicher basiert mobiles Lernen „nur auf einem Tool“, es ist aber, abhängig von dem Kontext, mehr als nur eine winzige Ergänzung zum sonstigen Arbeiten + Lernen:

    – Vertriebsmitarbeiter
    – Monteure
    – Consultants
    – alle, die beruflich viel unterwegs sind und mit den mobilen Endgeräten arbeiten.

    Für die ist mobiles Lernen genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, als das Lernen am „heimischen“ PC. (Heimisch in „“, da das dann in der Regel der Arbeitsplatz zu Hause ist).
    Es geht dann nicht mehr um die Befindlichkeiten „Ich will mal offline“ sein oder andere „philosophische“ Betrachtungen der Internetnutzung, sondern ums Lernen am mobilen Arbeitsplatz.

  6. Man braucht, um die mobilen Lerntools optimal nutzen zu können, auch einen mobilen Lebenstil (nicht nur unbedingt aus beruflichen Gründen). Wer immer unterwegs ist, mal hier mal da wohnt, bei Couchsurfern auf der Couch schläft, auf einer Weltreise ist, hat den groessten Bedarf an Möglichkeiten zum mobilen Lernen. Gibt es da einen Wandel? Gibt es einen Trend zum Nomadentum, genauso wie den Trends der mobilen Apps?

    1. Liebe Martina,
      ich hoffe: Nein. Alle, die viel reisen müssen aus beruflichen Gründen beklagen das Gleiche: zu schnell, zu hektisch, zu unruhig. Wo ist die Ruhe, wann kommt man endlich mal bei sich an?
      Einer der größten Schritte in der Menschheitsgeschichte war mit Sicherheit die Entscheidung, sesshaft zu werden. Ohne diesen Schritt gäbe es unsere moderne Welt nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *