4. Money makes the MOOC go around

4. Money makes the world MOOC go around. Erkenntnis der 4. Woche im MOOC Maker-Course #mmc13?

Eine ruhige Woche liegt hinter den TeilnehmerInnen und LeserInnen des MOOC-Maker Course. Es hat kaum Mühe gemacht, den Twitterstream zu verfolgen, die G+ Gruppe scheint zu schlafen. Blogartikel? Wenig, wenn man von den interessanten Impulsbeiträgen von Volkmar Langer, Jonas Liepmann, Johannes Moskaliuk und Ellen Trude absieht. Programmübersicht zum Nachlesen hier.

Was war da los?

Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: es ist seltsam, denkwürdig und auch bezeichnend, daß die Beteiligung auf einen Schlag so rapide gesunken ist. Offensichtlich erfreuen sich Diskussionen über Konzepte, Modelle und Netzpolitik einer großen Beliebtheit. Sobald es aber ums Geld geht, verliert sich das Interesse in den Weiten des Webs.

Mich irritiert das. Legen wir mal die üblichen Hindernisse beiseite: Kranksein, mangelndes Zeitaufkommen, Freiwilligkeit in Bezug auf die Begeisterung für ein Thema – die Argumente zählen bei den anderen Modulen auch. Wenden wir uns dem Rahmen zu: der Titel des #mmc13 ist nicht umsonst gewählt, „make“ bedeutet „machen“. Aber selbst wenn man nicht vorhat, in Kürze einen eigenen MOOC aus der Taufe zu heben, kann doch bei allen Teilnehmenden ein Grundinteresse an allen Aspekten der (erfolgreichen) Durchführung eines MOOC voraus gesetzt werden.

Der Input der Veranstalter ist…

… wirklich hervorragend gewählt.

  • Die Modelle von Volkmar Langer sind vielleicht erstmal keine leichte Kost, über das gewählte Tool Canvanizer aber nachvollziehbar dargestellt.
  • Das kollaborative Google-Doc wurde zunächst mit einer schönen, detaillierten Aufstellung des Kosten- und Personalaufwands begonnen, blieb dann aber in der Bearbeitung stecken.
  • Die Transparenz von Simon Dückert im wöchentlichen Hanogout-On-Air mit seiner Firmenseite Cogneon zu Wissensmanagement und -beratung zeigte deutlich, daß „open“ sein und Geld verdienen sehr wohl miteinander kooperieren können.
  • Auch der Ansatz aus der Community von Joachim Sucker, der nach einem Modell für Volkshochschulen sucht, war mehr als spannend.

Thema Universität

Natürlich kamen im Hangout-On-Air wieder die Modelle der großen amerikanischen Universitäten ins Gespräch. Interessiert nicht jeden, ist vielleicht auch nur für bestimmte Kreise von Interesse. Bildung ist in Deutschland Ländersache, seit der Bologna-Reform gibt es das Bachelor- und Mastersystem. Die Wirtschaft freuts, die Studenten stöhnen, was von der Politik dazu kommen wird, bleibt abzuwarten. Auch, ob MOOC’s im deutschen Hochschulsystem Fuss fassen werden bzw. welche Vor- und Nachteile zu erwarten sind, sei mal dahin gestellt.

Es gab aber auch andere schöne Themen

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Wertigkeit des Kapitalismus sich extrem zu Lasten der menschlichen Bedürfnisse und Grundrechte verschoben hat. Daran trägt weder die technische Entwicklung Schuld noch „die“ Firmen, „die“ Politik, „die“ abstrakten Gebilde, die man gemeinhin als Organisationen bezeichnet. JedeR Einzelne von uns ist daran beteiligt, indem er oder sie sich dem Druck der Hierarchien beugt, den Markenversprechen, der TV-Beschallung, dem Zwang, immer das neueste kleine mobile Gerät zu besitzen. Das ist uns allen wohl klar und es muss jedeR täglich neu mit sich selbst ausmachen, wie er oder sie sich verhält, welche Haltung und welche Handlungen man zeigt.

Deshalb aber die jeweiligen Organisationen per se als einseitige Interessengemeinschaften hin zu stellen, verflacht jede Diskussion und gibt der anhaltenden Bewegung nur Vorschub. Schön war es daher, vor allem im Twitterchat zum Hangout eine Art Parallel-Diskussionen zu erleben, die hier immerhin etwas differenzierter ansetzte.

Einige Zitate:

  • Beglückung von Lernenden in Massen gab’s ja via Lehrbuch schon immmer
  • Prof wird zum Zertifikator
  • Lehrende als Überblickshalter
  • Wer will Zertifikate sehen? Betrieb, Arbeitgeber
  • Lernbegleiter = Sparringspartner mit passenden Lernfragen
  • Man bezahlt nicht für Inhalte, sondern für den Zugang zu Inhalten
  • Was wäre mit Zugang zu Bildung wie Zugang zu Filesharing, Jahresflat
  • Wann und inwieweit erkennen Arbeitgeber (informelle) Weiterbildung an
  • Diversität in der MOOC-Landschaft
  • Sponsoring durch Unternehmen, wenn Inhalte nicht eingefärbt
  • Wenn Sponsor bekannt, kann ich Einfärbung einschätzen
  • Sponsoring nicht immer nur Einflußnahme, auch eigene Imagepflege
  • Unternehmen haben Stiftungsstühle
  • Werden Anforderungen an Bildung und Bildungsziele nicht immer mehr von Unternehmen bestimmt
  • MOOC=Innovation=Bedrohung für Etablierte
  • Teilnahme kostenlos, Orga bekommt trotzdem Geld: Funding, Sponsoring
  • Mehrwert ist die Community, nicht der Inhalt. Da ist das Geschäftsmodell
  • ROI: Ruhm, Ehre, Vorreitertum, Innovationserfahrung u.a. immaterielle Werte
  • Bezahlung, Entlohung, Leistung, flattr
  • Was zahle ich als TN, muss das Geld sein – Aufgabe übernehmen statt Geld geben

 Mir fiel auf im Gesamtbild

… daß es sehr wohl bestimmte Feindbilder als auch eine gewisse Frustration angesichts einer scheinbar übermächtigen Welle von einseitig orientierten Interessensgruppen in der Bildungslandschaft gibt. Der Rückzug auf die „ehrenwerte“ Gegenhaltung, die ein Umdenken einfordert zugunsten der Lernenden scheint logisch. Dennoch soll ja irgendwie der „ehrenwerte“ Einsatz der Aktiven, der Innovativen, der neuen Bildungsmacher, auch entlohnt werden. Vorrangige Vorschläge gehen pragmatisch in Richtung gutem, alten Tauschhandel und Bemerkungen der Art, daß Ruhm und Ehre ja auch nicht zu verachtende Belohnungen seien. (Sowie eventuelle Folgeaufträge mit monetärer Komponente, dazu hätte ich in einem Jahr dann gerne mal Rückmeldung von Dörte, Heinz und Monika).

Gerade Freischaffende, von denen merkwürdigerweise sehr viele unter den potenziellen MOOC-Makern sind, können bei so etwas nur mit der Stirn runzeln. Jasmin Hamadeh hat dann auch provokant nachgelegt mit zwei kleinen sehr amüsanten Blogposts hier und hier.

Misch-Modelle, nicht ganz „open“

Mir persönlich gefällt ein neuer Typ Misch-Modell, der TeilnehmerInnen das Angebot macht, je nach Interessenlage auch Geld in unterschiedlicher Höhe zu bezahlen, um an einem offenen Kurs teilzunehmen.

Zum einen ist da Flowshower.com, die „Low-Budget-Dusche für kreativen, vernetzten Flow“, wie Anja Wagner es betitelt. Man wählt vor der Teilnahme die gewünschten Komponenten wie Online-Lektüre, PDF, Buch, ergänzendes Material und Feedback und zahlt in Abstufungen 0, 49, 69 oder 99 Euro.

Zum anderen ist da der Ich.Kurs von Johannes Moskaliuk in vergleichbaren Abstufungen, die er Mitgliedschaften Free, Active, Premium und Professional nennt. Zum Preis von 0, 12,90 Euro und 49 Euro. Dazu ist Sponsoring möglich.

Zugegeben, das sind dann keine MOOC’s mehr, eher OOC’s. Aber sie sind eine realistische Alternative, um Wissen zu teilen und trotzdem einen monetären Gewinn einzustreichen. In bescheidenem Rahmen, aber überlassen wir Gewinnspannen von 300 % doch einfach den großen „Bösen“. Vielleicht nennen wir diese Hybriden FOOC (financed open online courses) oder MFOOC (moderately financed open online courses)?

Geben und Nehmen in Verhältnismäßigkeit

Wie wäre es damit? Ich will wenig, also gebe ich auch weniger. Ich will mehr, also gebe ich auch mehr. Denn von guter Energie und positiver Rückmeldung alleine füllt sich noch kein Kühlschrank.

Und wo wir gerade dabei sind: Ich gebe zurzeit auch, indem ich die Reflektionen schreibe. Natürlich werde ich wieder mehr gelesen, aber wenn Sie wirklich etwas für mich tun wollen, das sich auch monetär auswirken könnte:

Bis spätestens Juli suche ich eine neue berufliche Herausforderung im Kompetenzfeld zwischen HR, e-Learning, Journalistik und Social Media. Spitzen Sie die Ohren, empfehlen Sie mich, empfehlen Sie mir interessante Projekte und Stellen. Ich nehme sowohl Projektarbeit in (vorübergehender) Festanstellung als auch Rahmenverträge zu Beratung und Umsetzung von spannenden Blended-Learning-Konzepten.

Und verzeihen Sie den bissigen Unterton in diesem Artikel, denn die erfahrbaren Realitäten heben sich deutlich vom moralisch ehrenwerten Engagement ab. Ich könnte es gut gebrauchen, daß hier ein bisschen mehr Verhältnismäßigkeit einkehrt.

Frage: wie kommen wir zu MOOC-Money?

Antwort: über Realismus und Optimismus.

„Wenn heute ein Philosoph zu verstehen gibt, er sei kein Skeptiker – […] – so hört alle Welt das ungern; man sieht ihn darauf an, mit einiger Scheu, man möchte so vieles fragen, fragen, fragen…“ (Friedrich Nietzsche – Jenseits von Gut und Böse)