3. OpenOffen OuvertAbiertoAperto

3. Was ist „offen“ und wie offen sind MOOC’s wirklich? Antwort: Immer nur so offen wie die Umstände, die didaktische Durchführung und die Einstellung der Teilnehmer.

 

Gerade habe ich mich köstlich amüsiert. Im Moment ist es noch Sonntag, 15:10 Uhr. Ich lese vier Tage #mmc13 Woche 3 nach: Tweets, Google+ Beiträge, Blogbeiträge, die Impulsbeiträge für die Woche 3. Und mache mir nebenbei immer noch Gedanken über die Reflektionsrolle.

A. Selbstreflektion

Christian Spannagel hat seinen Reflektionsbeitrag für die Woche 2 zwar verspätet eingereicht, dafür fand ich persönlich den  Beitrag sehr erhellend. Denn scheinbar bin ich nicht die einzige, die sich Gedanken über die Rolle „ReflektorIn“ macht. Mein erster Anstoß zur Diskussion wurde leider als Hilferuf verstanden obwohl es mir um einen distanzierten Blick auf die Rolle ging. #Metameta sozusagen. Aber das bekommen wir auch noch hin. Später.

Auf jeden Fall habe ich festgestellt, daß meine Reflektionsbeiträge (und auch die der anderen bisher) sich generell an den Leitfragen der OrganisatorInnen ausgerichtet haben. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht so offensichtlich scheint. Man halte die Augen und Ohren offen und versuche, hin und wieder „meta“ zu sein. Macht Spass und gibt eine andere Perspektive.

Nun aber konkret zu den Perspektiven auf die dritte Woche unter dem Thema „Wie Open sind MOOC’s eigentlich“?

B. Eine kleine Infografik

Mein kleines Amüsement, das ich zu Beginn des Artikels angesprochen habe, bezieht sich auf folgende Infografik:

Nach zwei Stunden Lesen, Notizen und Stimmung aus Diskussionen aufgreifen habe ich spontan so eine kleine Infografik angelegt, die erstmal die Kernpunkte der Gespräche um „Open“ bündelt. Und dann so aus dem Bauch heraus Prozentzahlen für die Relevanz der einzelnen Punkte vergeben. Die Originalgrafik übrigens hier.

Was zeigt die Grafik? Nichts so richtig, außer daß mal wieder heftig diskutiert wird zu allen möglichen Themen. Und daß die Wahrnehmung und Einordnung der Aussagen aller Beteiligten tendenziell subjektiv sein muss.

C. Themen

Wer die Stichpunkte unter der Grafik genau ansieht, weiß auch schon, was Thema war in Woche 3:

  • Verfügbarkeit von offenen Materialien
  • Lizensierung
  • Nutzung von Open-Source-Plattformen
  • Zugangsoptionen für die Teilnehmer hinsichtlich Motivation und Nachhaltigkeit
  • Inhalte produzieren
  • Inhalte kuratieren
  • Organisationsrahmen eines MOOC (schließt Thema, Zielgruppe und Wahl der didaktischen Mittel mit ein)

Lobenswert natürlich wie immer die Impulsbeiträge, die herrlich unterschiedlich sind und das Wochenthema aus verschiedensten Perspektiven angehen. Hier, hier und hier. I love Popcorn, obwohl knapp 20 Minuten zuhören mit Links zum Anklicken ein ordentliches Pensum sind!

D. Bezüge

Es scheint immer wieder wichtig zu sein, neben den inhaltlichen Diskussionen an sich, diese auch nach außen zu tragen. Erwähnt wurden: eine Infoveranstaltung in Berlin für Multiplikatoren der inner- und außerschulischen Bildung am 31.1.2013. Der/die/das Eduhub.ch in St. Gallen am 30. und 31.1.2013 in St. Gallen. Die Einreichung einer Session auf der re:publica 2013 zum #mmc13, die Evaluation von @biwi_uli zum Lurking-Verhalten (anhand des #mmc13).

Ja, liebe MOOCer. Ohne Sendungsbewußtsein geht es nicht. Woher sollten sonst die ganzen Non-Liner auch wissen, daß es so tolle neue Bildungskonzepte gibt? In diesem Zusammenhang war noch ein Post von Jöran Muuß-Meerholz auf Google+ interessant. Da er den Eintritt in den HOA (Hangout On Air) am Freitag nicht geschafft hat, produzierte er flugs ein kleines Video mit Gedanken. Und schöner Resonanz im Kommentarthread. Sowie einer Menge Überlegungen zu Mini-MOOC’s, die Non-Liner helfen könnten, den Ein- und Ausgang zu MOOC’s zu finden. Unter anderem den Hinweis von dem stetig aktiven Senioren Horst Sievert auf dieses kleine E-Book „Paten – Helfer für Non-Liner“. Oder auch meinen eigenen (Teilnehmer)Beitrag zu Mini-MOOC’s und die Kommentare dazu.

E. Am Rande

Gedanken-Blitzlichter, am Rande eingesammelt.

  • „Die bisher etablierten MOOCs sind PRIVATE Initiativen..der „Staat“ hält sich da bisher bedeckt.“
  • „Was ist, wenn MOOCs Alltag sind? Wenn das „Neue“ nicht mehr neu ist? Wenn die Euphorie aller „verflogen“ ist?“
  • „Fragen zum Hangout: Was bedeutet „offen“ in einem MOOC? Inhalte, Teilnehmer, Reaktionen, Fragen, Antworten? Kontrollverlust?“
  • „Offen heißt unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Intensitätsniveaus bedienen.“
  • „Nimm etwas und gib es wieder zurück“
  • „Was ist mit dem Otto-Normalverbraucher, Ihr Nerds und technikaffinen Early Adopters?“
  • „Ich würde manche Lurker auch gern bis zum Ende lurken lassen“
  • „Vielleicht nicht Streit, aber konstruktives Reiben kriegen wir da doch hin.“

F. Das Sammelsurium

Man sieht es schon: haufenweise Infos und Impressionen, wild eingesammelt, keineswegs gedanklich geordnet. Wie immer reichhaltige Diskussionen und tolle Impulsbeiträge. Obwohl die Woche sich etwas lahm anließ. Vermutlich aufgrund der Erschöpfung infolge der Didaktik-Debatte in Woche 2.

Ich halte mich zum Abschluß (etwas verfrüht jetzt am Montagabend, 19:16 Uhr) dieses etwas unsortierten Beitrages dann doch mal an die Vorschläge unserer Veranstalter:

  1. Was ist in dieser Woche positiv und produktiv im Rahmen des MOOCs gelaufen? Und woran hat es Eurer Meinung nach gelegen? – Wie immer viel Input. Interessante Querverweise, die zum Teil mit Sicherheit untergegangen sind. Wie immer auch viel zu viele HOA’s. Wer soll das ständig alles mit verfolgen? Die Diskussionen wirken sehr verstreut im Vergleich zu den vorherigen beiden Wochen.
  2. Wie habt Ihr den Aktivitätsgrad der Teilnehmenden wahrgenommen? Woran lag’s? – Hoch, hoch, hoch. Aber das ist ja nichts Neues. Wer sich auf Twitter, Google+ und den Blog-Aggregator der Homepage auf dem Laufenden hält, KANN nichts verpassen. Nein, es besteht sogar nach wie vor ein Überangebot an Input. Aber damit muss man halt fertig werden, nicht wahr?
  3. Wie habt Ihr die Stimmung unter den Teilnehmenden wahrgenommen? Woran lag’s? – Mhm. Mhm. Mhm. Keine Ahnung. Wie war denn Eure Stimmung?
  4. Sind wir dem angesetzten Thema in dieser Woche gerecht geworden? Woran lag’s? – Vom Input her mit Sicherheit. Letztlich hätten auch andere „Experten“ im HOA oder in den Impulsbeiträgen zu Wort kommen können. Irgendwie kennt sich die Kerngemeinde zu jedem der Themenunterpunkte aus. Vielleicht herrscht hier etwas zu viel Heterogenität. Die Input-Geber sind doch alle MOOC-erfahren und diskutieren diese im Rahmen des #mmc13 auch lautstark. Welcher Neuling und Interessent für das Format fühlt sich dadurch wirklich motiviert, einen eigenen MOOC durchzuführen? Wirkt die geballte Kompentenz nicht auch abschreckend?
  5. Was sollten wir in den nächsten Woche unbedingt beibehalten, was intensivieren, was lieber sein lassen? Und gibt es von Eurer Seite aus Vorschläge, etwas anders als bisher anzugehen? – Der Hype, der Hype, die Begeisterung. Verständlich, denn es ist ja auch berauschend, sich mit der MOOC-Idee und den damit optionalen Möglichkeiten zu beschäftigen. Dennoch wäre etwas mehr Laissez-Faire eine Idee für jeden nächsten MOOC.

G. In der Reflektion.

Christian Spannagel hat wie oben angesprochen die Selbstreflektion als erste Aufgabe der Reflektion überhaupt definiert. Ich stimme nur bedingt zu. Aus Coaching-Sicht muss man natürlich einen gewissen Grad von Selbstreflektiertheit haben, um eine Beobachter- und Begleiterrolle auszufüllen. Dennoch schadet zuviel Selbstreflektion auch bisweilen. Im Kontext eines MOOC muss die Reflektiertheit sich auf zusätzlichen Ebenen bewegen. Also auch vom eigenen Verhalten weg zu dem anderer. Zudem muss eine generelle Einschätzung der Situation möglich sein, selbst wenn diese sich auf einen zeitlich begrenzten Rahmen (wie hier die Wochen) bezieht.

Genauso sehe ich den Wunsch der OrganisatorInnen, kontinuierlich Feedback zur Stimmung im MOOC, zur Wirksamkeit der didaktischen Mittel und nach Verbesserungsvorschlägen zu erhalten, generell als nicht ganz erfüllbar an. KeinE ReflektorIn kann all dies a) stringent verfolgen und b) eine Gesamteinschätzung abgeben, die NICHT subjektiv eingefärbt ist.

Ich finde die Rolle generell spannend, sehe sie aber nicht klar genug definiert. Was kein Wunder ist, denn in dieser Form gab es sie noch bei keinem MOOC, den ich kenne. Mein Plan ist auf jeden Fall, die Rollenbedingungen (abschließend) näher zu untersuchen und auch Feedback zur Wirksamkeit einzuholen. Lasst Euch überraschen.

Frage 4: Was ist das Hindernis für „Open“?

Antwort: Es fehlt ein Kulturwandel.

„Längst ist die überzogene Orientierung am Eigennutz zum größten innerbetrieblichen Wachstumshemmnis geworden für die Wirtschaft der Informationsgesellschaft, wo Platzhirsche und Egomanen einen produktiven, wertschöpfenden Umgang mit Information verhindern.“

(Erik Händeler – Die Geschichte der Zukunft. Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen / Kondratieffs Globalsicht)