2. Braucht es Didaktik in einem MOOC?

2. Braucht es Didaktik in einem MOOC? Antwort: Ja. Nein. Vielleicht. Kommt drauf an.

Im Grunde bräuchte dieser Artikel eigentlich gar nicht geschrieben zu werden. Jede denkbare Diskussion zu der genannten Frage wurde in der vergangenen Woche geführt, jedes mögliche Argument – egal ob pro oder contra – geäußert.

 

Gründe. Für alles Mögliche.

Lag das daran, daß sich im #mooc13 besonders viele aktive Teilnehmer befinden? Oder lag an den wiederholten Anschüben der „Muttis“, wie die OrganisatorInnen liebevoll genannt werden? Ich für meinen Teil habe nicht mal mitbekommen, wie dieses Kosewort entstanden ist.

Aus verschiedenen Gründen gibt es in dieser Woche also keinen „klugen, sprachlich durchdachten“ (Zitat @mons7) Artikel von mir:

  • ich hatte von vorne herein weniger Zeit in der zweiten Woche und mir vorgenommen, stärker zu fokussieren auf Dinge, die mich ganz speziell interessieren.
  • ich wollte ein bisschen mehr teilnehmen in dieser Woche, denn das Thema interessiert mich als jemand, der im eLearning arbeitet, natürlich besonders. Dies ist mir auch (streckenweise) gelungen.
  • ich habe mein Vorgehen beim Kuratieren mit Pearltrees geändert, zu Lasten der anfänglichen Sorgfalt und des Anspruches auf größtmögliche Vollständigkeit. Es war einfach zu zeitaufwendig, alle gebloggten Artikel einzusammeln wie in der ersten Woche. Überdies gibt es diese an anderer Stelle zusammen gefasst, man siehe in Boris Jägers Wiki. Beeindruckend.
  • ich muss diesen Artikel am Montagabend in letzter Sekunde schreiben. Was ich hasse, was mich aber zwingt, mehr aus dem Bauch heraus zu schreiben und mich auf das zu beziehen, was mich eher subjektiv beschäftigt hat in den vergangenen Tagen.

A. Die Diskussion um Überforderung

Das Thema ist immer relevant bei einem MOOC, denn wir wissen als Teilnehmer (oder erfahren es zum ersten Mal), daß die Informationsflut schier erschlagend ist und permanent eine Herausforderung bleibt. Interessant fand ich aber den Freitag, an dem Dörte gegen Mittag sehr transparent kommunizierte, sie habe das Feedback erhalten, daß die schnellen Diskussionen auf Twitter ausgrenzend wirken würden.

Dörte hatte gleich vier Lösungsvorschläge parat, die Twittergemeinde eine (erneute) schnelle Diskussion mit stark emotionalem Charakter. Spätnachmittags im Hangout-On-Air (HOA) mit Joachim Wedekind folgte das Bekenntnis der OrganisatorInnen, daß ein gewisses Maß an Überforderung auch intendiert sei.

Ist das klug oder nicht? Ich weiß es nicht. Es ist Teil einer Strategie, um zu motivieren. Um Reaktionen hervor zu rufen. Das ist aus meiner Sicht weder gut noch schlecht, sondern offensichtlich bestimmt durch Überlegungen zur Durchführung des #mmc13, die mit Zielgruppen, Aktivitätsindex und auch Didaktik zu tun haben.

B. Die „Filterbubble“

Ich hatte an irgendeinem der Tage vergangener Woche abends ein bisschen „Nachttwittern“ betrieben und fand mich mit #mmc13-Twitterern auf einmal in einer Diskussion zum Hashtag #filterbubble. Mit den Gedanken noch bei meinem Reflektionsartikel der ersten Woche, dem grundsätzlichen Eindruck, daß sich MOOC-Interessierte innerhalb einer eigenen, geschlossenen Szene bewegen und den Erfahrungen aus Coachingprozessen, daß selektive Wahrnehmung bei Klienten entscheidend den Fortgang oder das Stocken eines Coachingprozesses bestimmt.

Danach erst recherchierte ich den Begriff und fand Folgendes:

(Zitat aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:)

„Die Filterblase (englisch filter bubble) oder Informationsblase (englisch informational bubble) ist ein Begriff, der vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch[1] geprägt wurde. Er beschreibt damit das Phänomen, dass Webseiten bestimmte Algorithmen verwenden, um gewissermaßen „vorauszusehen“ welche Informationen der Benutzer gerne sehen würde, basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer – beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistory (englisch search history oder web history), Klickverhalten.

Als Folge dieser Algorithmen neigen Internetseiten dazu dem Benutzer nur Informationen anzuzeigen, die mit dem bisherigen Ansichten des Benutzers übereinstimmen. So wird der Benutzer sehr effektiv in einer „Blase“ isoliert, die dazu tendiert Informationen auszuschließen, die den bisherigen Ansichten des Benutzers widersprechen.

Ein Paradebeispiel dafür sind Googles personalisierte Suchergebnisse und der personalisierte news stream von Facebook. Nach Parisers Meinung wird der Benutzer so weniger durch gegenteilige Ansichten „belastet“ und somit in einer Informationsblase intellektuell isoliert.“

Meine Emotionen und Gedanken waren ab da sehr widersprüchlich. Zum einen konnte ich nur zustimmen, denn als Interessierte an neuen Bildungskonzepten sehe ich mich (und wie ich weiß, auch andere sich) als „Hartbrettbohrer“ in einer ignoranten, überalteten Prinzipien verhafteten Bildungs-, Lebens-, Gesellschaftslandschaft. Das Bild mit der Kuh in der Schlange war entsprechend bewusst gewählt. Zum anderen ignoriere auch ich oft genug die Tatsache, daß ich manipuliert werde durch die sozialen Medien und die „Macher“ des Web 2.0.

Im Prinzip finde ich die Idee einfach unmöglich: ich soll durch gegenteilige Ansichten weniger belastet werden? Und das bestimmt auch noch eine Software mit einem Algorithmus für mich? Ähem. Nö, jetzt.

C. Rollen(wechsel)

Am Montagnachmittag ein Tweet von Dörte mit der ein wenig herausfordernden Anfrage: Rollenwechsel erlaubt? Wir wollen auch mal als TeilnehmerInnen agieren. Antwort: macht Ihr das deutlich sichtbar? Diese Diskussion wurde dann am Dienstag auf „Branch“ noch weitergeführt. Dann war da noch eine Anfrage von einer Teilnehmerin, sich mit Rollendefinitionen nach Stephen Downes innerhalb von MOOC’s kollaborativ auf einem Etherpad zu beschäftigen. Ich meine, irgendwann auch einen Tweet gelesen zu haben, wie die Rolle der ReflektorInnen zu bewerten sei, was aber bisher nicht weiter auf Interesse stieß.

Ich kann mir gut vorstellen, hier zu einem späteren Zeitpunkt eine Diskussion zu initiieren. Letztlich versuche ich (und alle anderen ReflektorInnen, vermute ich), meine (ihre) Rolle erstmal selbst zu definieren. Die Leitfragen für die Rolle seitens der VeranstalterInnen spiegeln das Bedürfnis, Außenperspektiven zu erhalten auf die Prozesse, die Methodik, das Teilnehmerverhalten, relevante Inhalte.

Nachvollziehbar, ich würde es als Veranstalterin genauso handhaben. Es fehlt uns die Erfahrung mit deutschen MOOC’s, wir können/müssen das Format selbst gestalten und an den Gegebenheiten unserer Bildungslandschaft ausrichten. Wir befinden uns zudem in einem cMOOC, warum also nicht das „Wissen“ der Masse nutzen und integrieren in den Entwicklungsprozess des Formates?

D. Didaktik, Struktur, Betreuung und roter Faden

Immer wieder tauchten in allen Artikeln, Diskussionen, HOA’s die ersten beiden Begriffe auf. Der dritte ist den OrganisatoInnen ein wichtiges Thema, Claudia Bremer brachte es in einem Tweet dann mit dem vierten auf den Punkt, soweit ich mich erinnere: egal, was sonst so passiert – es braucht den roten Faden in einem MOOC.

Wie dieser gestaltet werden kann, ist 1. Ansichtssache, hängt 2. vom Format des MOOC’s ab, gestaltet sich 3. konsequenterweise als logische Folge der didaktischen Auffassung durch die Veranstalter eines MOOC. Nein, durch die Auffassung des Begriffes „Didaktik“ durch die Veranstalter.

An dieser Stelle müssten alle Definitionen aus Duden und Enzyklopädien, Definitionen aus Wissenschaft, Blogartikeln, Tweets, Wikis, Google+ Threads stehen. Denn die Auseinandersetzung mit dem Begriff war so reichhaltig, daß man das reflektorisch kaum wiedergeben kann. Alle vier in der Überschrift genannten Begrifflichkeiten spielten bei allen Gesprächen eine Rolle, wurden aber mit unterschiedlicher Bedeutung belegt und kontextuell verschieden eingeordnet in ihrer Wertigkeit.

Frage 3: Was habe ich nun über Didaktik dazu gelernt?

Antwort: Ich weiß es nicht.

Ich bin Praktikerin. Mich interessieren Konzepte, Überlegungen und streitbare Diskussionen. Aber nur, damit ich mir danach das Beste für die Praxis rauspicken kann. Und die ist nochmal einem Kontext untergeordnet und Zielen, die ein Träger von eLearning-Angeboten verfolgt. Letztlich ist mir wichtig, die Tür zum Lernen soweit wie möglich zu öffnen und mich an den Bedürfnissen der Teilnehmer von (offenen/eLearning) Angeboten zu orientieren.

„Da steh‘ ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.“ (Johann Wolfgang von Goethe)