1. Was ist das?

Frage 1: Was ist das? Antwort: ein MOOC in einer Bildungsschlange. Lärmend, spielend, denkend, diskutierend.

 

Man stelle sich einen Spielplatz vor. Mit Klettergerüsten, Seilen, Schaukeln, einer Kletterburg. Mit Sandkästen, in denen bunte Backformen, Schaufeln und Harken verteilt sind. Ein Haufen lärmender Kinder, um sie herum gruppiert auf Bänken unter entlaubten Bäumen Mütter. Vereinzelt Väter, die sich an leeren Kinderwagen festhalten. Es ist Januar, um die Null Grad. Macht nichts, hier ist immer was los. Man kennt sich, alle sind bester Laune.

Gibt es ein besseres Bild, um den fünfwöchigen MOOC Maker-Course #mmc13 zu beschreiben, für den am 16. Januar 2013 der Startschuss fiel? Schon im Vorfeld summte es im Twitterstream zum Hashtag #mmc13, als das Anlegen von Wikis, das Erstellen von Jingles und Podcasts, das Verbreiten der Teilnehmer-Motivation, das Steigen der Anmeldezahlen und das Verkünden des nahendens Starts seinen Lauf nahm.

Ich hab‘ da was für Euch

Ein Open Online Course braucht den permanenten Anschub durch die Veranstalter, wenn auch die Hauptverantwortung für Motivation nicht an die Organisatoren delegiert werden kann. Darin sind sich alle erfahrenen MOOC’ler weitgehend einig, wie der Twitterchat während des ersten Hangouts on Air am Freitagabend und weitere Diskussionen der ersten Woche gezeigt haben.

Begeisterung ist eine tolle Sache. Bekommt sie den Anklang von Euphorie, kann das Nebenwirkungen haben. Es scheint alles gut gegangen zu sein, trotz des Hypes, der sogar die Aufmerksamkeit des Manager-Magazins und des MOOC-Urvaters Stephen Downes erregt hat. Freie Bildungsträger, Universitätsvertreter, bloggende Berater, Lehrer, Studierende, web-affine Senioren und Bildungsinteressierte jeglicher Couleur – sie alle sind dabei.

Die Bildungsschlange ist in Bewegung. Feiert aufgeregt, wird gefeiert. Hier haben sich Menschen mit Visionen versammelt, die einander inspirieren wollen. Die zusammen spielen wollen. Um die Tür zu einer Lernzukunft weiter aufzustoßen, die bisher nur einen Spaltbreit Licht herein fallen lässt. Denn eine große Masse „Dummies“ läuft immer noch in der realen Welt herum und verlangt danach, eingewiesen, angeleitet und geführt zu werden. E-Learning? Nie gehört. Open Learning? Was ist das für ein neumodischer Kram? Ich bin nicht mal auf Facebook, mein Smartphone brauche ich zum Telefonieren.

Ein wacher Dialog

Die Bildungsschlange mooct dennoch. Und das ist gut so. Sie hat schon Newbies eingesammelt, die das Twittern und Bloggen für sich entdecken. Die staunend auf Wiki’s, Popcorns, Soundclouds und sich selbst starren. Die sich trauen, darüber zu reden. Die gleichberechtigt behandelt werden von den erfahrenen MOOC’lern. Man ist erwachsener geworden in den letzten zwei Jahren, hat praktische Erfahrungswerte, die den Blick auf die Theorie geschärft haben.

Erfahrene Impulsgeber befeuern selbstkritisch eine spannende Diskussion. Sind MOOC’s ein Allheilmittel in einer erstarrten Bildungsgesellschaft, die wie gelähmt vor einer sie überrollenden technisierten Welt steht? Nein, sind sie nicht. Sie sind eine Option, mehr nicht. Und sie haben keine allgemeingültigen Regeln oder ein Rezept parat, mit dem die Bildungsmahlzeit gelingt.

Schärfung der Vorstellungen

Das Thema der ersten Woche „Wann ist ein MOOC ein MOOC“? wird souverän, fundiert und ernsthaft eingekreist. Ohne das Spielerische zu verlieren. Man merkt, hier haben sich einige Menschen Gedanken gemacht: bestechend ist vor allem die MOOC-Matrix, in der kollaborativ verschiedene Aspekte von MOOC’s gesammelt werden, an denen die Lerngemeinde in den letzten zwei (sic!) Jahren teilgenommen hat.

An dieser Stelle könnte ein Streit über Begrifflichkeiten entbrennen. Denn „Lerngemeinde“ ist polemisch betitelt wie die „Bildungsschlange“, die hier mit Absicht nicht „(Web-)Bildungselite“ genannt wird. All diese Begriffe versuchen, ein Phänomen zu umreißen, das für Involvierte deutlich sichtbar – aber nur undeutlich verbal zu kategorisieren ist. Es gibt eine kritische Masse an Engagierten, die sich überwiegend in einem geschlossenen Raum bewegen.

Sichtbar wurde dies in Tweets, die auf Äußerungen von Stephen Downes beruhend einen Wandel in der Haltung und im Umgang miteinander verlangten: die „Lerngruppe“ solle sich in ein „Lern-Netzwerk“ verwandeln.

Diffuses und offene Fragen

Ein Team ist etwas anderes als eine Gruppe ist etwas anderes als ein Netzwerk. Einige Diskussionen im MOOC Maker-Course zeigen deutlich, daß didaktische Konzepte die wesentliche Grundlage sind für die Organisation und Durchführung eines Open Online Courses. Sie verschaffen den Durchführenden Klarheit über den Rahmen, in dem sie sich bewegen wollen, über ihre Zielgruppe, über intendierte Lerninhalte.

Die Diskussionen zeigen aber auch, daß der Faktor Mensch eine nicht zu vernachlässigende Komponente ist. Unsinn. Der Mensch ist die wesentliche Komponente. Der Mensch will Beziehungen. Der Mensch lernt freiwilliger und besser, wenn er sich in einer Gemeinschaft weiß. Diese Zugehörigkeit innerhalb eines reinen Online-Kontextes zu schaffen, scheint eine der großen Hürden in Open Online Courses zu sein, die immer wieder neu gemeistert werden will.

Die Ansätze hierfür sind so vielfältig und experimentell wie die Menschen vielschichtig sind, die einen MOOC organisieren und/oder daran teilnehmen wollen. Trial and error. Macht nichts. Dieses Vorgehen bestimmt unsere Kultur. Im Ausschlußverfahren stellen wir fest, was funktioniert und was nicht funktioniert.

Massive?

Eine klare Antwort auf die Frage „massive“ oder nicht kann es nicht geben. Wir spielen mit Definitionsversuchen, stellen ein x und ein c vor den MOOC, diskutieren über Teilnehmerzahlen und ob diese relevant sind für die Bewegung.

Sind sie nicht. Können sie nicht sein. Eine bestimmte Teilnehmerzahl garantiert im Grunde nur einen viralen Effekt, die Überwindung der Trägheit der Masse und somit die Überzeugung, daß die Bewegung (einmal in Gang gesetzt) von sich aus Ergebnisse zeitigen wird. Wie auch immer diese aussehen werden.

Diese Diskussionen helfen der Bildungsschlange, sich weiter zu bewegen. Sie helfen ihr, weiterhin überzeugt zu sein von ihren Visionen und Zielen. Sie erhalten die Begeisterung aufrecht, ohne die ein MOOC Maker-Course nicht durchzuführen wäre. Nicht erlebbar wäre. Nicht dazu beitragen würde, daß die Beteiligten sich weiter entwickeln, ihre grundsätzliche Überzeugung für ein gutes Konzept bestätigt sähen oder sich überrascht in der Riege der neuen Befürworter wieder finden.

Frage 2: Was braucht es, um etwas über MOOC’s zu lernen?

Antwort: Mach‘ selbst einen oder sei bei einem dabei.

„Ich hoffe, so unabhängig wie möglich zu bleiben – bis zu dem Tag, an dem ich meine Arbeit als Kritiker an den Nagel hänge, um selber Filme zu machen, ein Tag, der hoffentlich nicht mehr fern ist.“ (Francois Truffaut)